Am 6.3.2010 findet das 15. Biedersteiner Symposium Kinderdermatologie statt, diesmal wieder im Klinikum Rechts der Isar am Max-Weber-Platz. Der Schwerpunkt liegt wie in den vergangenen Jahren auf Themen des Alltags, aber wir werden auch ein wenig an den Tellerrand der pädiatischen Dermatologie blicken. Außerdem wird in den Pausen Raum sein für Begegnung und Austausch. Die Fortbildung ist für die Teilnehmer kostenlos und wird von der Bayerischen Ärztekammer zertifiziert. Das Programm finden Sie hier.

Hier finden Sie Informationen  zu unseren Neurodermitis-Schulungen für Eltern von betroffenen Kindern und Erwachsene.

Regividerm® Vitamin B12-Salbe

Die Regividerm-Welle überrollt uns – in Form von zig Anfragen verunsicherter Neurodermitis-Patienten und Eltern von betroffenen Kindern, seit einer Sendung in der ARD am Montag abend. Dort wurde unter dem Titel „Heilung unerwünscht“ suggeriert, dass die Pharmaindustrie die Heilung dieser Patienten blockiert, die einfach, ohne Nebenwirkungen und auf natürliche Weise möglich wäre. Und gegen Schuppenflechte wirkt es auch noch. Der Film zeigt Erfahrungsberichte beinahe geheilter Patienten und Dermatologen, die in nachgestellten Szenen beim Erfinder um Proben des Wundermittels betteln. Die Rede ist auch von Patenten. Schon zwei Tage nach dem TV-Bericht kündigt ein Hersteller die Markteinführung für Mitte November an.

Immerhin, es existiert eine klinische Studie. Im Jahr 2004 ließ sich tatsächlich eine Überlegenheit der Vitamin B12 (Cyanocobalamin)- und Avocacoöl-haltigen Salbe gegenüber Placebo nachweisen. Getestet wurden 48 Patienten in Hautkliniken in Bochum und Potsdam im Halbseitenversuch, das heißt, betroffene Stellen einer Körperhälfte wurden mit der wirkstoffhaltigen Salbe, die andere Hälfte mit der Salbengrundlage alleine behandelt. Nach 8 Wochen zeigten sich beide Seiten deutlich verbessert, die stärkere Verbesserung war auf der Seite, die mit Regividerm behandelt wurde, zu sehen (Stücker et al. 2004 Br J Dermatol 150:977-983). Von Abheilung oder gar Heilung (definiert als dauerhafte Symptomfreiheit) kann natürlich keine Rede sein.

Wer das Sälbchen selbst ausprobieren will, kann sie sich zusammenrühren lassen, die Rezeptur steht im Netz zur Verfügung und die Apotheker werden sich freuen, mal wieder Salben mischen zu dürfen (0,07 Gramm Vitamin B 12, 46 Gramm Avokadoöl, 45,42 Gramm Wasser, 8 Gramm TEGO ® Care PS, 0,26 Gramm Kaliumsorbat, 0,25 Gramm Zitronensäure). Wahrscheinlich ist die Salbe harmlos, und damit einen Versuch wert – warum nicht.
Zu beachten ist allerdings, dass wir bei Patienten, die Vitamin B 12 einnehmen, nicht selten Akne-artige Hautausschläge sehen, das könnte theoretisch auch durch die Salbe passieren. Und man kann nicht genau sagen, wieviel Vitamin B12 von der Salbe in den Blutkreislauf kommt.

Bei der Welle, die wir gerade beobachten, sollten wir recht bald wissen, welche Wunder das Mittel wirklich bewirkt.

Mich persönlich würde es allerdings wundern, wenn seit Jahren ein Wundermittel, das einfach und billig zu produzieren ist, quasi herumliegt und Millionen von Betroffenen und Hunderte von Pharmafirmen kommen nicht auf die Idee, die Salbe auszuprobieren. Man könnte auf den Gedanken kommen, dass die ganze Welle das Resultat eines gelungenen Marketing-Coups mit freundlicher Unterstützung des öffentlich-rechtlichen Fernsehens gewesen ist…

Am 28.2.2008 findet wie jedes Jahr das Biedersteiner Symposium Kinderdermatologie statt. Das Programm umfasst seltene, spannende genauso wie häufige Erkrankungen der Haut im Kindesalter. Die Fortbildung richtet sich vor allem an Pädiater und Dermatologen, aber auch alle anderen Fachrichtungen, die sich mit pädiatrischer Dermatologie beschäftigen, sind herzlich willkommen.
Beginn ist um 9 Uhr im AudiMax der TU an der Arcisstraße.
Das ausführliche Programm finden Sie unter VERANSTALTUNGEN.

Lichtimpfung

Lichtimpfung klingt nach Sonne, sanfter Medizin und langfristigem Schutz vor Krankheit. Die Erfinder der Dermodyne Lichtimpfung versprechen auf ihren Internetseiten (optomed.de), in Pressemitteilungen und in diversen Fernsehauftritten (stern-tv, RTL, u.a.), Neurodermitispatienten mit Licht von ihrer quälenden Krankheit zu befreien. Das Konzept ist so eingängig - Licht tut der Haut gut - dass mich mittlerweile fast jeden Tag Patienten auf die Therapie mit dem hübschen Namen ansprechen. Manche wollen nur eine unabhängige Meinung zu Dermodyne hören, andere sind bereits überzeugt und kommen wegen eines Attests zur Beantragung der Kostenübernahme bei ihrer Krankenkasse. Anlass genug, hier einige Informationen zusammenzustellen.

Nach Angaben des Hersteller handelt es sich bei der Lichtimpfung um ein phototherapeutisches Verfahren mit sichtbarem Licht im Bereich von 400-500nm. Unterhalb von 400nm liegt das Spektrum des ultravioletten Lichts, bei 380-400nm beginnt für das menschlichen Auge das sichtbare Licht, einige Tiere können auch kürzere Wellenlängen wahrnehmen. Damit ist die neue Lichttherapie per definitionem frei von UV-Licht. Als Wirkmechanismus wird die Elimination aktivierter T-Zellen (eine Untergruppe der weißen Blutkörperchen) in der Haut diskutiert. Dermodyne soll bei der Bestrahlung vorwiegend die krankheitsrelevanten Entzündungszellen in ihrer Proliferation hemmen und in den programmierten Zelltod (Apoptose) treiben, während protektive Populationen (z.B. regulatorische T-Zellen) verschont bleiben. In den ersten Pressemitteilungen war auch die Rede von einer indirekten Wirkung auf die Stammzellen im Knochenmark durch rezirkulierende Lymphozyten aus der Haut, was zu einer Heilung oder zumindest zu dauerhafter Beschwerdefreiheit führen soll. Bislang allerdings gibt es für keine dieser - durchaus vorstellbaren - immunologischen Wirkungsmechanismen der Lichtimpfung wissenschaftliche Belege. Mittlerweile wird zudem darauf hingewiesen, dass bei neuen Krankheitsschüben auch mehrfache Behandlungen notwendig sein können.

Zur klinischen Wirkung der Dermodyne Lichtimpfung wurde bisher nur eine einzige Untersuchung veröffentlicht, die Datenbasis besteht aus 10 Patienten mit chronischen Hand-und Fußekzemen (Krutmann,…, Wilkens (2005) Photodermatology Photoimmunology, Photomedicine 21: 59-61, http://www.ingentaconnect.com/). Seit dieser Publikation aus dem Jahr 2005 gab es zwar zahlreiche Öffentlichkeitswirksame Einzelfallberichte in Presse und Fernsehen, jedoch keine einzige kontrollierte Studie. Einzelfallberichte wie die Vorher-Nachher-Fotos eines Kleinkindes mit einem Zeitintervall von mehr als einem Jahr sind aufgrund der typischen Schwankungen der Krankheitsaktivität und der Spontanheilungstendenz in dieser Altersgruppe von geringer Aussagekraft. Andererseits lassen auch die negativen Beispiele, die wir in der Klinik immer wieder im Notdienst sehen, keine abschließende Beurteilung der Wirkung der Behandlung mittels Lichtimpfung zu. Zum Nachweis der Wirksamkeit muss eine größere Anzahl von Patienten nach einem vorher festgelegten Schema unter sorgfältiger Beobachtung behandelt werden. Kontrollierte Therapiestudien sind außerdem notwendig, um vor der breiten Anwendung einer neuen Behandlung mögliche Nebenwirkungen zu erfassen. Eine massive Bewerbung eines Therapieverfahrens ohne entsprechende Untersuchungen ist nicht seriös. Die derzeit gängigste etablierte Lichttherapie der Neurodermitis erfolgt mit langwelligem UVA-Licht mit einem Wellenlängenspektrum zwischen 340 und 400nm, also direkt unterhalb des bei der Dermodyne Lichtimpfung verwendeten Spektrums von 400-500nm. Die Wirksamkeit der UVA1-Phototherapie bei der Neurodermitis wurde in zahlreichen Studien belegt - wir wissen jedoch auch um die Nebenwirkungen, v.a. Auswirkungen auf den Kollagenstoffwechsel (Hautalterung). Möglicherweise erhöht sich durch die Bildung von freien Radikalen auch das Hautkrebsrisiko, weshalb die UVA1-Therapie bei Kindern generell nicht empfohlen wird. Innerhalb biologischer Systeme ist davon auszugehen, dass es keine ganz scharfen Grenzen von harmlos und gefährlich, wirksam und unwirksam gibt. Es erscheint daher unwahrscheinlich, dass die Lichtimpfung bei völlig fehlenden Nebenwirkungen eine dem UVA1 vergleichbare oder bessere Wirkung haben soll.

UV-Spektrum

UV-Spektrum

Die Zukunft wird zeigen, ob die Dermodyne Lichtimpfung das therapeutische Spektrum der Neurodermitistherapie bereichern kann. Derzeit sind aufgrund der spärlichen Daten zum Nachweis der Wirksamkeit aus meiner Sicht die Kosten von ca. 150€/Sitzung (empfohlen werden 12-36 Sitzungen, ensprechend 1.800-5.400€) nicht zu rechtfertigen. Abgesehen von den Kosten sollten die Wirkungen der Lichtimpfung zunächst bei Erwachsenen - möglichst im Rahmen kontrollierter Studien, wie derzeit an der Universität Mainz (Hautklink Mainz) - besser untersucht werden, bevor die Therapie bei Kindern als unbedenklich empfohlen werden kann.

Seit Patienten und Angehörige im Internet Krankheitsbilder googeln und sich in Foren über mögliche Therapieformen austauschen, hat sich das ärztliche Gespräch stark verändert. In der täglichen Praxis ist das mittlerweile eine echte Herausforderung. Deswegen habe ich mich entschieden, aktiv mitzugestalten.

Bei Ninas Hautkunde möchte ich nach und nach Informationen und Konzepte rund um Hauterkrankungen bei Kindern vorstellen.